Der islamische Kalender, auch Hidschri-Kalender genannt, ist ein reiner Mondkalender. Er zählt die Jahre ab der Hidschra, der Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina im Jahr 622 n. Chr. Für Musliminnen und Muslime in Deutschland, Österreich und der Schweiz bestimmt er die Termine von Ramadan, Opferfest und anderen religiösen Anlässen, während im Alltag der gregorianische Kalender gilt. Wer beide Systeme nebeneinander nutzt, sollte wissen, wie sie zusammenhängen und warum Termine manchmal um einen Tag abweichen.
Dieser Ratgeber erklärt die Kalenderrechnung sachlich; religiöse Fragen beantworten Gelehrte und die jeweiligen Religionsgemeinschaften.
Ein Kalender nach dem Mond
Ein Monat beginnt mit dem Erscheinen der schmalen Mondsichel (Hilal) nach Neumond am Abend. Ein synodischer Mondmonat dauert im Mittel etwa 29,53 Tage, deshalb hat ein islamischer Monat entweder 29 oder 30 Tage. Zwölf Monate ergeben 354 oder 355 Tage.
Das Sonnenjahr dauert dagegen rund 365,24 Tage. Die Differenz von etwa 11 Tagen pro Jahr führt dazu, dass islamische Feste im gregorianischen Kalender jedes Jahr früher liegen. Nach etwa 33 Jahren ist ein Fest einmal durch alle Jahreszeiten gewandert. Einen Schaltmonat, wie ihn der jüdische Kalender kennt, gibt es nicht.
Ein weiterer Unterschied: Der islamische Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang, nicht um Mitternacht. Der erste Ramadan-Abend mit dem Tarawih-Gebet liegt also vor dem ersten Fastentag.
Die zwölf Monate
| Nr. | Monat | Besonderheit |
|---|---|---|
| 1 | Muharram | Neujahr; heiliger Monat; 10. Muharram: Aschura |
| 2 | Safar | |
| 3 | Rabi al-Awwal | 12. Rabi al-Awwal: Mawlid (Geburtstag des Propheten, nach verbreiteter Ansicht) |
| 4 | Rabi al-Thani (Rabi al-Achir) | |
| 5 | Dschumada al-Ula | |
| 6 | Dschumada al-Achira | |
| 7 | Radschab | heiliger Monat; 27. Radschab: Miradsch (nach verbreiteter Ansicht) |
| 8 | Schaban | 15. Schaban: Berat-Nacht |
| 9 | Ramadan | Fastenmonat; Lailat al-Qadr in den letzten zehn Nächten |
| 10 | Schawwal | 1. Schawwal: Fest des Fastenbrechens (Ramadanfest, Eid al-Fitr) |
| 11 | Dhu l-Qada | heiliger Monat |
| 12 | Dhu l-Hiddscha | Hadsch; 10. Dhu l-Hiddscha: Opferfest (Eid al-Adha) |
Die Schreibweise der Namen variiert im Deutschen stark (z. B. Rebiülevvel im Türkischen, Rabi’ al-Awwal in englischer Umschrift).
Mondsichtung oder Berechnung?
Gerade weil der Monatsbeginn an der sichtbaren Mondsichel hängt, gibt es verschiedene Verfahren:
- Lokale Sichtung: Ein Monat beginnt, wenn die Sichel am Ort mit bloßem Auge oder Fernglas gesehen wurde. Bewölkung kann den Beginn um einen Tag verschieben. Viele Länder in Südasien und Nordafrika arbeiten so, etwa Marokko oder Pakistan.
- Umm-al-Qura-Kalender: Der offizielle Kalender Saudi-Arabiens wird astronomisch vorausberechnet und für zivile Zwecke genutzt. Für religiöse Monate wie Ramadan entscheidet dort zusätzlich eine Sichtungskommission.
- Astronomische Berechnung nach festen Kriterien: Die türkische Religionsbehörde Diyanet und z. B. der Europäische Fatwa-Rat legen Monatsanfänge im Voraus nach Kriterien zur Sichtbarkeit fest. Daran orientieren sich viele Moscheegemeinden in Deutschland und Österreich.
- Tabellarischer Kalender: Ein rein arithmetisches Schema mit festen Monatslängen und einem 30-Jahres-Zyklus mit 11 Schaltjahren. Er eignet sich für historische Umrechnungen, kann aber vom tatsächlichen Monatsbeginn abweichen.
Deshalb kann das Ramadanfest in Deutschland in verschiedenen Gemeinden an unterschiedlichen Tagen gefeiert werden. Beide Termine sind aus Sicht der jeweiligen Methode korrekt. Die Neujahrsnacht 1448 zeigte das: Die meisten Golfstaaten begannen Muharram am 16. Juni 2026, Marokko am 17. Juni.
Wichtige Termine 1448 (2026/2027)
| Anlass | Erwarteter Termin (Umm al-Qura) |
|---|---|
| 1. Muharram 1448 (Neujahr) | 16. Juni 2026 |
| 1. Ramadan 1448 | voraussichtlich 8. Februar 2027 |
| Ramadanfest (1. Schawwal) | voraussichtlich 9. März 2027 |
Alle Termine ab Ramadan sind Vorausberechnungen; je nach Land und Gemeinde kann es einen Tag Abweichung geben. Ihre örtliche Moschee oder Religionsgemeinschaft gibt die verbindlichen Termine bekannt.
Daten umrechnen
Grobe Jahresumrechnung:
Hidschri-Jahr ≈ (gregorianisches Jahr − 622) × 33 ÷ 32
gregorianisches Jahr ≈ Hidschri-Jahr × 32 ÷ 33 + 622
Beispiel: (2026 − 622) × 33 ÷ 32 = 1.404 × 1,03125 ≈ 1448. Da das islamische Jahr mitten im gregorianischen beginnt, fällt ein gregorianisches Jahr immer auf zwei Hidschri-Jahre (2026 auf 1447 und 1448).
Genaue Tagesdaten lassen sich nicht mit einer einfachen Formel ermitteln, weil Monatslängen von Mondsichtung oder Berechnungsmethode abhängen. Der Hidschri-Kalender-Umrechner rechnet nach dem Umm-al-Qura-Kalender in beide Richtungen. Wie viele Tage bis zu einem Termin bleiben, zeigt der Rechner für Tage zwischen zwei Daten.
Alter in Mondjahren: Weil Mondjahre kürzer sind, ist man nach islamischem Kalender etwas „älter“. Wer 33 Sonnenjahre alt ist, hat bereits rund 34 Mondjahre erlebt.
Praktische Tipps für Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Urlaub planen: Für das Ramadanfest oder Opferfest frühzeitig beide möglichen Tage bedenken. In mehreren Bundesländern gibt es für religiöse Feiertage Regelungen zur Freistellung von Schülerinnen und Schülern; sie unterscheiden sich je Land.
- Fastenzeiten: Wegen der Wanderung durch die Jahreszeiten fällt der Ramadan in den 2030er-Jahren immer weiter in den Winter mit kurzen Fastentagen. Die täglichen Gebets- und Fastenzeiten hängen vom Sonnenstand ab; mehr dazu im Ratgeber Gebetszeiten: So werden sie berechnet und im Rechner Gebetszeiten.
- Zakat: Die Frist für die Zakat-Pflicht (Hawl) bemisst sich nach einem Mondjahr. Wie die Berechnung funktioniert, erklärt der Ratgeber Zakat berechnen.
Checkliste
- Islamische Monate haben 29 oder 30 Tage, das Jahr 354 oder 355.
- Feste rücken jährlich rund 11 Tage nach vorn.
- Der Tag beginnt mit Sonnenuntergang.
- Termine können je nach Methode und Land um einen Tag abweichen.
- Für exakte Umrechnungen einen Umrechner mit angegebener Methode verwenden.