Ob E-Mails, Berichte, Code oder Chat: Die meisten Büroarbeitsplätze bestehen zu einem großen Teil aus Tippen. Wer statt 30 nun 60 Wörter pro Minute schafft, halbiert die reine Schreibzeit. Noch wichtiger als das Tempo ist allerdings die Genauigkeit – jeder Fehler kostet Korrekturzeit und Konzentration. Mit einem kurzen Test kennen Sie Ihren Ausgangswert, mit dem Zehnfingersystem und regelmäßigem Training verbessern Sie ihn messbar.
So wird Tippgeschwindigkeit gemessen
| Kennzahl | Bedeutung | Üblich in |
|---|---|---|
| WPM (words per minute) | Wörter pro Minute, 1 Wort = 5 Anschläge | international, Tipp-Tests |
| Anschläge pro Minute (APM, CPM) | jedes Zeichen inkl. Leerzeichen | Deutschland, Österreich, Schweiz, Bürowelt |
| Genauigkeit | Anteil korrekt getippter Zeichen | alle Tests |
| Netto-WPM | Brutto-WPM abzüglich Fehler pro Minute | strenge Tests |
Warum fünf Anschläge pro Wort? Weil Wörter unterschiedlich lang sind – deutsche im Schnitt länger als englische. Die feste Definition macht Ergebnisse sprachübergreifend vergleichbar.
Rechenbeispiel: In einem 3-Minuten-Test tippen Sie 840 Anschläge mit 12 Fehlern.
Anschläge pro Minute: 840 ÷ 3 = 280
Brutto-WPM: 280 ÷ 5 = 56
Fehler pro Minute: 12 ÷ 3 = 4
Netto-WPM: 56 − 4 = 52
Genauigkeit: (840 − 12) ÷ 840 ≈ 98,6 %
Den aktuellen Stand ermitteln Sie mit dem Tippgeschwindigkeit-Test, der WPM, Anschläge und Genauigkeit direkt anzeigt. Die Prozentrechnung zur Genauigkeit können Sie mit dem Prozentrechner nachvollziehen.
Richtwerte zur Einordnung
Belastbare, repräsentative Statistiken zur Tippgeschwindigkeit gibt es kaum; die folgenden Werte sind gängige Orientierungsgrößen aus Schreibtrainings und Tests:
| Niveau | WPM | Anschläge/Minute |
|---|---|---|
| Einsteiger, Zwei-Finger-Suchsystem | 15 – 30 | 75 – 150 |
| Durchschnitt | ca. 35 – 45 | ca. 175 – 225 |
| Geübt im Zehnfingersystem | 50 – 70 | 250 – 350 |
| Sehr schnell | 80 – 100 | 400 – 500 |
| Wettbewerbsniveau | über 120 | über 600 |
Kurztests über eine Minute liefern oft höhere Werte als längere Abschriften, weil Konzentration und Fehlerquote mit der Zeit nachlassen. Für einen ehrlichen Vergleich messen Sie mehrfach und nehmen den Mittelwert.
Das Zehnfingersystem auf der QWERTZ-Tastatur
Beim Zehnfingersystem (auch Zehnfinger-Tastschreiben oder Blindschreiben) hat jeder Finger feste Tasten. Ausgangspunkt ist die Grundreihe:
Linke Hand: A S D F Rechte Hand: J K L Ö
kl ri mi zei zei mi ri kl
Daumen: Leertaste
Die Tasten F und J haben fühlbare Erhebungen, damit die Zeigefinger ohne Hinsehen die Ausgangsposition finden. Von dort aus greift jeder Finger schräg nach oben und unten zu seinen Tasten; die Zeigefinger übernehmen zusätzlich die mittleren Spalten (G, H, T, Z, B, N usw.).
Besonderheiten im deutschsprachigen Raum:
- QWERTZ statt QWERTY: Y und Z sind gegenüber der englischen Tastatur vertauscht. Wer häufig zwischen Layouts wechselt, sollte das Systemlayout bewusst einstellen.
- Umlaute und ß liegen rechts neben der Grundreihe und werden vom kleinen Finger bedient.
- Schweizer Tastatur: ebenfalls QWERTZ, aber ohne ß-Taste und mit anderer Anordnung der Umlaute, damit auch é, è und à direkt erreichbar sind.
- Norm: Das deutsche Tastaturlayout ist in der DIN 2137 festgelegt; Schreib- und Gestaltungsregeln für Texte wie Geschäftsbriefe enthält die DIN 5008.
Übungsplan für vier Wochen
| Woche | Fokus | Tägliches Pensum |
|---|---|---|
| 1 | Grundreihe und obere Reihe, nicht auf die Tastatur schauen | 15–20 Min., Tempo egal |
| 2 | untere Reihe, Umlaute, Großschreibung mit Shift der Gegenhand | 15–20 Min., Genauigkeit ≥ 95 % |
| 3 | Satzzeichen, Zahlen, häufige Wortverbindungen | 20 Min., erste Tempomessung |
| 4 | echte Texte abschreiben, eigene Mails blind tippen | 20 Min. + Alltag, Wochentest |
Regeln, die wirklich helfen:
- Genauigkeit vor Tempo: Wer Fehler einübt, behält sie. Erst wenn 95 % sicher sitzen, das Tempo steigern.
- Nicht hinschauen: Notfalls die Tastatur mit einem Tuch abdecken.
- Täglich kurz statt selten lang: 15 Minuten jeden Tag bringen mehr als zwei Stunden am Wochenende.
- Rhythmus: Gleichmäßiges Anschlagen ist schneller als hektische Schübe mit Pausen.
- Alte Gewohnheiten ganz ablegen: Wer im Alltag wieder ins Suchsystem fällt, verlängert die Lernphase.
- Fortschritt messen: Einmal pro Woche denselben Test wiederholen und Werte notieren.
Ergonomie: schneller ohne Verspannung
- Unterarme etwa waagerecht, Handgelenke gerade, nicht auf der Kante abknicken.
- Bildschirmoberkante etwa auf Augenhöhe, Abstand rund eine Armlänge.
- Flache Tastaturen mit klarem Druckpunkt erleichtern das Blindschreiben; Tastaturfüße ausklappen erhöht eher die Belastung der Handgelenke.
- Pausen einplanen: Nach längeren Schreibphasen Hände und Schultern lockern.
Tastenkürzel als Turbo
Neben reinem Tippen sparen Kürzel viel Zeit: Strg/Cmd + C, V, Z, S, F sowie Strg + Pfeiltasten zum wortweisen Springen. Wer im Zehnfingersystem tippt, erreicht sie ohne Blick auf die Tastatur. Für Passwörter gilt das Gegenteil: Sie sollten lang und zufällig sein, nicht leicht zu tippen; Tipps dazu im Ratgeber Sicheres Passwort.
Tippen auf Smartphone und Tablet
Auf Touchscreens gelten andere Regeln: Die meisten Menschen tippen mit zwei Daumen, und Autokorrektur sowie Wortvorschläge beeinflussen das Tempo stark. Vergleichswerte mit der Hardware-Tastatur sind deshalb wenig aussagekräftig. Wer auf dem Tablet viel schreibt, profitiert von einer externen Tastatur – dann gilt wieder das Zehnfingersystem. Spracheingabe ist für Entwürfe oft schneller als jede Tastatur, erfordert aber sorgfältiges Korrekturlesen, besonders bei Namen, Zahlen und Fachbegriffen.
Tipp für Prüfungen und Bewerbungstests: Manche Arbeitgeber, etwa im Sekretariats- oder Schreibdienst, testen Abschriften über fünf bis zehn Minuten. Üben Sie dafür nicht nur Kurztests, sondern auch längere Texte mit Zahlen, Satzzeichen und Großbuchstaben.
Checkliste
- Ausgangswert messen: WPM, Anschläge, Genauigkeit.
- Grundreihe ASDF – JKLÖ verinnerlichen.
- Vier Wochen täglich 15–20 Minuten üben.
- Genauigkeit ≥ 95 % vor Tempo.
- Wöchentlich messen und Ergonomie prüfen.