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IP-Adresse erklärt: Was sie verrät und was nicht

Jedes Gerät im Internet braucht eine Adresse, damit Daten ankommen. Hier erfahren Sie, wie IPv4 und IPv6 aufgebaut sind, warum Ihr Laptop zu Hause eine andere IP hat als Ihr Router und was Websites tatsächlich über Sie erfahren.

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit

Eine IP-Adresse (Internet Protocol Address) ist die Adresse, unter der ein Gerät in einem Netzwerk erreichbar ist. Ohne sie wüssten Datenpakete nicht, wohin sie sollen – ähnlich wie ein Brief ohne Anschrift. Jedes Smartphone, jeder Laptop, Fernseher und Router hat mindestens eine. Im Alltag bemerken Sie davon wenig, weil Namen wie example.de per DNS automatisch in Adressen übersetzt werden. Spannend wird es bei Fragen wie: Warum funktioniert mein Heimserver nicht von außen? Was sieht eine Website von mir? Und was bringt ein VPN?

IPv4 und IPv6

IPv4 IPv6
Länge 32 Bit 128 Bit
Schreibweise vier Zahlen 0–255, z. B. 203.0.113.42 acht Blöcke Hexadezimal, z. B. 2001:db8:85a3::8a2e:370:7334
Anzahl Adressen ca. 4,3 Milliarden ca. 3,4 × 10^38
Typisch zu Hause eine öffentliche Adresse für den Router eigene öffentliche Adresse pro Gerät möglich

Die rund 4,3 Milliarden IPv4-Adressen sind längst vergeben. Deshalb teilen sich viele Geräte eine Adresse, und neue Anschlüsse erhalten zunehmend IPv6. Viele Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreiben Dual-Stack: Ihr Anschluss hat eine IPv4- und eine IPv6-Adresse gleichzeitig. Bei manchen Kabel- und Glasfaseranbietern gibt es nur noch DS-Lite: Sie bekommen eine echte IPv6-Adresse, teilen sich die IPv4-Adresse aber mit anderen Kunden.

IPv6-Kurzschreibweise: Führende Nullen in einem Block dürfen entfallen, und eine Folge von Null-Blöcken wird einmal pro Adresse durch :: ersetzt. 2001:0db8:0000:0000:0000:0000:0000:0001 wird zu 2001:db8::1.

Öffentlich und privat

Ihr Router hat zwei Seiten: Nach außen eine öffentliche Adresse vom Internetanbieter, nach innen vergibt er private Adressen an Ihre Geräte. Zwischen beiden übersetzt er per NAT (Network Address Translation).

Bereich Verwendung
10.0.0.0 – 10.255.255.255 private Netze, oft in Firmen
172.16.0.0 – 172.31.255.255 private Netze
192.168.0.0 – 192.168.255.255 private Netze, typisch für Heimrouter (z. B. Fritzbox: 192.168.178.x)
100.64.0.0 – 100.127.255.255 Carrier-Grade NAT beim Anbieter
127.0.0.1 Loopback: das eigene Gerät
169.254.x.x automatische Adresse, wenn kein DHCP-Server antwortet

Private Adressen sind im Internet nicht erreichbar. Deshalb sieht jede Website nur die öffentliche Adresse Ihres Routers, nicht die Ihres Laptops. Eine 169.254.x.x-Adresse auf dem eigenen PC ist ein typisches Zeichen dafür, dass die Verbindung zum Router nicht funktioniert.

Ihre aktuelle öffentliche IPv4- und IPv6-Adresse zeigt Wie ist meine IP.

Dynamisch oder statisch

  • Dynamisch: Standard bei Privatanschlüssen. Der Anbieter vergibt die öffentliche IPv4 bei jeder Einwahl neu, teils auch in festen Abständen. Bei IPv6 bleibt oft das Präfix des Anschlusses eine Weile gleich, während Geräte ihre Adresse über Privacy Extensions regelmäßig wechseln.
  • Statisch: Bei Geschäftskunden oder gegen Aufpreis erhältlich. Nötig für eigene Mailserver, VPN-Einwahl oder Fernwartung ohne Hilfsdienste.

Wer zu Hause einen Dienst von außen erreichbar machen möchte, nutzt bei dynamischer IP DynDNS: Ein Hostname wird automatisch auf die jeweils aktuelle Adresse aktualisiert. Bei DS-Lite funktioniert eingehende IPv4-Verbindung nicht; dann hilft nur IPv6 oder ein Tunnel-Dienst.

Was Websites über Sie sehen

Beim Aufruf einer Seite erfährt der Server:

  • Ihre öffentliche IP-Adresse und damit grob den Anbieter und die Region (über Geodatenbanken, oft ungenau – manchmal liegt die angezeigte Stadt Hunderte Kilometer daneben)
  • Browser, Betriebssystem und Sprache (über den User-Agent und weitere Header)
  • die zuvor besuchte Seite (Referrer), sofern übertragen

Was der Server nicht sieht: Ihren Namen, Ihre Anschrift oder die Adressen Ihrer Geräte im Heimnetz. Die Zuordnung einer IP zu einem Anschlussinhaber kennt nur der Internetanbieter. In Deutschland darf er sie nur unter gesetzlich geregelten Voraussetzungen herausgeben, etwa auf richterliche Anordnung bei Urheberrechtsverletzungen oder an Ermittlungsbehörden.

Datenschutz für Website-Betreiber: Der Europäische Gerichtshof hat 2016 entschieden, dass auch dynamische IP-Adressen personenbezogene Daten sein können. Server-Logs, Analyse-Tools und eingebundene Dienste (Schriften, Videos, Karten) müssen deshalb DSGVO-konform eingesetzt werden, z. B. durch Kürzung der IP oder Einwilligung.

Wie IP und Domain zusammenhängen

Das DNS übersetzt Namen in Adressen: Ein A-Eintrag liefert eine IPv4-, ein AAAA-Eintrag eine IPv6-Adresse. Mit der DNS-Abfrage sehen Sie, welche IP hinter einer Domain steckt. Alle Eintragstypen erklärt der Ratgeber DNS-Einträge erklärt.

VPN: Was es ändert und was nicht

Ein VPN leitet Ihren Datenverkehr verschlüsselt über einen Server des VPN-Anbieters. Websites sehen dann dessen IP-Adresse statt Ihrer.

Ein VPN hilft:

  • in öffentlichen WLANs, damit der Betreiber den Verkehr nicht mitlesen kann
  • um die eigene IP gegenüber Websites zu verbergen
  • für den Zugriff auf das Firmennetz (Firmen-VPN)

Ein VPN hilft nicht:

  • gegen Tracking per Cookies, Login oder Browser-Fingerprinting
  • gegen Schadsoftware oder Phishing
  • wenn der VPN-Anbieter selbst protokolliert – Sie verlagern das Vertrauen nur vom Internetanbieter zum VPN-Dienst

Dass Ihre Verbindung langsamer erscheint, kann am VPN liegen; wie Sie das messen, erklärt der Ratgeber Internetgeschwindigkeit verstehen.

Häufige Fragen aus dem Heimnetz

  • Zwei Geräte mit derselben IP: Meldet ein Gerät einen „IP-Adresskonflikt“, wurde eine Adresse doppelt vergeben, oft durch eine manuell eingetragene feste IP im DHCP-Bereich des Routers. Lösung: feste Adressen nur außerhalb des DHCP-Bereichs vergeben oder im Router reservieren.
  • Drucker nicht mehr erreichbar: Hat der Drucker per DHCP eine neue Adresse bekommen, findet der PC ihn nicht. Eine Adressreservierung im Router behebt das dauerhaft.
  • Gastnetz: Geräte im Gast-WLAN bekommen ein eigenes Adressnetz und können Ihre anderen Geräte nicht sehen – sinnvoll für Besucher und Smart-Home-Geräte.
  • Portfreigabe funktioniert nicht: Prüfen Sie, ob Sie eine echte öffentliche IPv4 haben. Zeigt der Router eine Adresse aus 100.64.0.0/10 oder einen DS-Lite-Anschluss, ist eingehendes IPv4 nicht möglich.

Checkliste

  • Öffentliche IP mit „Wie ist meine IP“ prüfen, lokale IP in den Netzwerkeinstellungen.
  • 169.254.x.x am Gerät = Verbindung zum Router prüfen.
  • Für Dienste von außen: statische IP, DynDNS oder IPv6; DS-Lite beachten.
  • Als Website-Betreiber IP-Adressen DSGVO-konform verarbeiten.
  • VPN gezielt einsetzen, nicht als Allheilmittel betrachten.

Häufige Fragen

Wie finde ich meine IP-Adresse heraus?

Ihre öffentliche IP zeigt jede Seite wie „Wie ist meine IP“. Die lokale Adresse im Heimnetz finden Sie in den Netzwerkeinstellungen oder mit ipconfig (Windows) bzw. ip addr oder ifconfig (Linux, macOS).

Kann man mit einer IP-Adresse meinen Wohnort herausfinden?

Nur grob. Geodatenbanken ordnen eine IP meist einer Region oder Stadt zu, oft auch falsch. Die genaue Anschrift kennt nur Ihr Internetanbieter, und der darf sie nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen herausgeben.

Warum ändert sich meine IP-Adresse?

Die meisten Privatanschlüsse in Deutschland erhalten dynamische IPv4-Adressen, die der Anbieter bei einer Neueinwahl, nach einem Routerneustart oder in regelmäßigen Abständen neu vergibt. Bei IPv6 ändern sich zudem die Adressen der Geräte aus Datenschutzgründen regelmäßig.

Ist eine IP-Adresse ein personenbezogenes Datum?

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs kann auch eine dynamische IP-Adresse ein personenbezogenes Datum sein. Website-Betreiber müssen sie daher nach der DSGVO behandeln.

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